Der Waldboden

Vollkommen gegensätzlich zur geringen Aufmerksamkeit, die man bei einem Waldspaziergang dem Waldboden schenkt, ist seine Bedeutung für das Ökosystem Wald.
Größtenteils verborgen vor dem menschlichen Auge wimmelt es hier geradezu vor Leben.
Eine Schar von Insekten, Einzellern, Bakterien und Pilzen sorgt durch Fressen, Zersetzen und Ausscheiden für eine Kompostierung und somit für die lebensnotwendige Rückführung der Mineralstoffe und Spurenelemente in den Waldboden. Man bezeichnet diese Lebewesen auch als die Destruenten des Waldes. Trocknet man einen Waldboden, so erhält man zu 80 % totes Pflanzenmaterial, 15 % lebende Wurzeln und zu 5% Bodenlebewesen. Diese wiederum unterteilen sich zu 40% in Pilze und Algen, zu weiteren 40% in Bakterien und die restlichen 20% Regenwürmer , Tausendfüssler, Asseln, Milben und anderen Insekten. Durch ihre Zersetzung stellen sie die zur Photosynthese der Pflanzen notwendigen Mineralien wie Phosphorverbindungen, Magnesium und Stickstoff her, die zur Synthese von Aminosäuren und Eiweiß befähigen. Die anderen Faktoren der Photosynthese , Sonnenlicht, Kohlendioxid und Wasser stehen fast in unbegrenztem Maße zur Verfügung.

 

Je nach Zusammensetzung der Waldpflanzen ändert sich auch die Zusammensetzung des Waldbodens, deren oberste Schicht gemeinhin auch als Laubstreu bezeichnet wird.

Im Buchenwald finden sich durchschnittlich 6 Lagen von verschieden stark zersetzten Blättern übereinander, im Eichenwald dagegen sind es nur drei. Die Blätter der meisten Laubbäume werden wesentlich schneller von den Bodenlebewesen verkonsumiert als die Nadeln der meisten Nadelbäume. Auch der Inhalt von Gerbstoffen oder Toxinen hat Einfluss auf die Zusammensetzung der Bodenfauna.
Besonderst viele gefährdete Arten von Pilzen und seltenen Insekten findet man in naturnahen Wäldern mit einem hohen Anteil von stehendem Totholz mit möglichst starken Dimensionen, d. h. alte und abgestorbene Stämme. Gewissermaßen verlagert sich das Bodenleben hier nach oben in den Stamm, der im Stehen zersetzt wird.