Der Wald kann auf vielfältige Weise bewirtschaftet werden

Grundsätze der Bewirtschaftung

Die Bewirtschaftung des Waldes stellt eine besondere Herausforderung dar. Bäume wachsen zu ihrer vollen Größe nur innerhalb mehrerer Menschenleben. Im Gegensatz zur Landwirtschaft, die Ergebnisse eines Weizenanbaus schon nach nur einer Vegetationsperiode ermitteln kann, stehen zwischen einer Veränderung im Baumbestand eines Waldes und ihren Auswirkungen hunderte von Jahren. Ein Förster denkt nicht an sich selbst, sondern an die kommenden Generationen, die den Nutzen seiner Arbeit erben. Denn er selbst lebt von der Arbeit der ihm vorangegangenen Generationen.

Ein Grundsatz jeder Waldbewirtschaftung muss die sogenannte Nachhaltigkeit sein. Das bedeutet das der Wald auf lange sicht erhalten werden soll und nicht einfach abgeholzt und durch einen Acker ersetz wird. Als grundsätzliche Formen der Bewirtschaftung haben sich über die Jahrhunderte Hochwald, Plenterwald, Mittelwald und Niederwald heraus kristallisiert.

 

Niederwald

Die Niederwaldwirtschaft ist eine sehr alte Betriebsart, die schon von den Römern praktiziert worden ist (silvae caeduae) und sich bis heute erhalten hat.
In der Nähe der Dörfer und Städte gab es wenig Wald, aber alle Menschen mussten mit Brennholz zum Kochen und Heizen versorgt werden. Daher teilte man ein Waldstück auf in viele kleine Flächen. Eine Fläche sollte pro Jahr bis auf den Stock (Baumstumpf) zurückgeschnitten werden, während man die anderen normal weiter wachsen ließ. Im darauf folgenden Jahr wurde dann die nächste Fläche bis auf den Stock abgeschnitten. So wurden im laufe der Zeit alle Flächen einmal abgeholzt. Setzt man einen Zeitraum von 30 Jahren an dann ergab sich ein Bild von 30 verschiedenen Flächen mit großen bis hin zu ganz kleinen Bäumen. Der Holzbedarf eines Dorfes konnte so jedes Jahr aufs neue gedeckt werden.
Nicht alle Baumarten taugen dazu, sich auf vegetative Weise aus Wurzel- oder Stockausschlägen zu verjüngen. Die Baumarten Linde, Eiche, Hainbuche,Ulme und der Hasel eignen sich dafür. Da die Bäume nicht älter werden als 30 Jahre konnte kein Holz erzeugt werden, dass Bauholzqualität erreicht. Seit der Nutzung der Steinkohle ist in Deutschland die Niederwaldwirtschaft bis auf wenige Kleinflächen verschwunden. In Frankreich und Italien hat diese Art der Nutzung auch heute noch einen hohen Stellenwert.

Mittelwald

Auch der Mittelwald ist eine alte Bewirtschaftungsform. Sie sollte den Nachteil der Niederwaldwirtschaft ausgleichen und neben Holz in Brennholzqualität auch Bauholz liefern. Zu diesem Zweck wurden Sogenannte Laßreitel (natürlich auftretende Jungbäume, oder vitale, gut geformte Stockausschläge) über mehrere Niederwaldumtriebe stehen gelassen. Diese konnten dann Baumholzdimension erreichen und bilden die Oberschicht. Die unteren Bestandesschichten werden niederwaldartig bewirtschaftet Die Oberschicht wurde dabei meist von Eichen oder Eschen gebildet, da sie sehr wertvolles Holz liefern konnten.

Hochwald

Auch die Idee der Hochwaldwirtschaft beruht auf der flächenweisen Aufteilung eines Waldgebietes. Der Unterschied zur Niederwaldwirtschaft besteht im wesentlichen darin, dass hier die Bäume aus Samen enstanden sind und ein wesentlich höheres Alter erreichen. Heute sind etwa 94% der Waldfläche Deutschlands mit Hochwald bedeckt. Im Hochwald kommen alle Altersstufen bestandesweise isoliert nebeneinander vor. Er wird in Schlägen bewirtschaftet. Ein Schlag ist eine Fläche auf der der Wald gleich behandelt wird, dass heißt beispielsweise auf der Hiebs- oder Verjüngungseingriffe ausgeführt werden

Plenterwald

Der Plenterwald hingegen vereint alle Altersstufen auf einer Fläche im unmittelbaren räumlichen Nebeneinander. Waldbauliche Maßnahmen , die hier durchgeführt werden , dienen niemals nur einem Teilzweck, sondern wirken sich als Ernte-, Verjüngungs- und Erziehungsmaßnahme aus. Auf Grund dieser Struktur können auch kleine Flächen nachhaltig bewirtschaftet werden. Ursprünge hat diese Waldbauart in den Bauernwäldern aus denen ein regelmäßiger Holzbedarf gedeckt werden musste.